Mehr als nur Bio und weg von Ideologien. Oder frei nach Heraklit „Sich wandelt ruht es aber“

 

Als ich vor 10 Jahren das erste Mal mit Sven Leiner und dem Thema Biodiversität im Weinbau in Berührung kam, war die Wandlung selbst schon absehbar.

Der Großvater von Sven Leiner war Gastronom, der Vater aber bereits mehr Winzer als Gastronom und mit Sven Leiner ist die Familie nun seit 42 Jahren aktiv und heute mit noch größerer Leidenschaft und Hingabe im Weinberg und -keller unterwegs.

Zeigte sich bereits 2007 die starke Verbundenheit und die große Achtung vor der Natur, die Sven Leiner in Konsensstärke durchführt, wie sie von jungen Weinbauingenieuren immer mehr (aber immer noch zu wenig) vollzogen werden, so ist heute die Wandlung vom Beobachter zum Regulierer. Sein Credo seitdem:

Ich betrachte den Boden als lebendigen Organismus und reichere seine Vitalität durch den Einsatz von eigenem Kompost, durch ausgleichende Tees und Naturpräparate an. Die Reben reagieren darauf mit einem gesunden und ausgeglichenen Wuchsverhalten. Ich fördere pflanzliche Lebensgemeinschaften, die in unserem Weinbergen unverzichtbar geworden sind, weil sie unsere Reben nicht nur ernähren, sondern auch stabilisierende Auswirkungen auf das Bodenleben haben.

Ähnlich den Wandlungen von Rainer Eymann & Frank John in den 80er Jahren, wurden Arbeitsschritte verändert und zur vollkommen Übereinstimmung des „Biologisch-Dynamischen“ angepasst, das nicht einmal vor dem Etikett halt macht. Denn klar in der Farbe, klar auch in der Unterscheidung zu anderen Weingütern wurde auch hier eine für nach nun auch sichtbare Wandlung vollzogen.

Denn neben der Ausprägung der Weine von Sven Leiner wird die Farbe des Etiketts zu einem Aushängeschild.

Mit den darauf gezeigten Insekten setzt man hier ein Bekenntnis zu der „Biodiversität“, wie sie Carlo Petrini schon vor 30 Jahren propagiert wurde: Das Leben im Boden ist entscheidend und wichtig und führt zu Weinen mit Leben und mit Sinn.

Natürlich gibt es auch starke Gegner dieser Ausrichtung und mache machen sich auch noch lustig (Hokus, Pokus Fidibus), übersehen aber, wer denn in den letzten den Sprung gewagt hat von der konvetionellen zur biologischen Ausrichtung, um später dann ganz zum Biologisch-Dynamischen zu wechseln.

Seit 2005 wirtschaftet Sven Leiner aus Überzeugung ökologisch und Sven Leiner hatte ja keine großen, Jahrhunderte alte Stiefel übernommen. Aber er hat zu sich selbst gefunden und zu seiner Art, Weine herzustellen und Aufgrund seiner impulsgebenden Arbeit für den biologisch-dynamischen Weinbau erhielt er schon 2011 ohne Umstellungsphase die Demeter-Zertifizierung.

Bei unserem Besuch und den anschließend Rundweg durch Abfüllungshalle und die Weinberge an der Kleinen Kalmit wurde Sven Leiner wieder einmal zum Lehrer für gute Zuhörer:

Warum werden an diesem Weinberg Rebbogenerzieheung und an dem anderen die Guyot-Erziehung angewandt, wie wird ein zuviel an Regen kompensiert mit Laubarbeit, wann werden welche Spritzungen angewandt und wie werden diese überhaupt produziert, Wie werden Arbeiten im Weinberg, im Keller und bei der fast unmerklichen Arbeit am Ausbau der Weine einbezogen in das Ganze und zu einer Einheit gebündelt.

 

Geplant war von 12.00 bis 16.00 Uhr, einige Mitglieder haben länger ausgehalten und blieben dann bis in die Nacht hinein…schön wars.

Sven Leiner in Zahlen ausgedrückt: 16 Hektar. 140.000 Flaschen Jahresproduktion, 65% Riesling, davon 30% aus den Toplagen und der Kleine Kalmit, daneben noch Weinberge in Göcklingen, Arzheim, Mörzheim und Ilbesheim.