Bei dieser TafelTour mit dem Thema „Rheinauen, Rhein und Altrhein, Tulla, Ton
und Tongruben“ starteten einige Mitglieder schon gegen 09.00 Uhr ab dem Bhf.
Neustadt und weiter über LD und dem Bus der Linie 555 nach Rheinzabern. In
einer etwa 1.-stündigen ersten Wanderung ging es weiter zu dem Dorf Neupotz,
das eng mit dem Familienunternehmen Ludowici verknüpft ist, zu unserem 1.
Ziel., dem „Infozentrum „Haus Leben am Strom“.
Auf dem Weg dorthin trafen wir auf eine Gruppe von Tabak-Erntehelfern, die ein
Tabakfeld, nun zum letzten Mal, denn Haupt-, Mittelblatt, Sandblatt und
Grumpen waren bereits vorher schon geerntet worden. Nun wurde nur noch
das Obergut abgebrochen und auf metallene Rechen aufgespießt, die dann
nach der Ernte in einem Elektroofen getrocknet werden und nicht, wie man es
hier in der Gegend kennt, in Tabakschuppen wie früher.
Im Infozentrum „Haus Leben am Strom“ wurden wir von Frau Kalesse und, was
uns sehr erfreut hat, von dem ehemaligen Bürgermeister von 2004-2014, Herrn
Emil Heid, begrüßt.
Auf Schautafeln, interaktiven Bildschirmen sowie an Hörstationen wurden den
Teilnehmern lebendige Eindrücke über den Kampf der Menschen gegen das
Hochwasser früher und heute vermittelt, auch über den Zorn der Neupotzer
Bürger, der damals bis zur Bürgerinitiative „Kein Polder Neupotz“ gipfelte.
Der Grund war plausibel, hat man doch schon einmal im Jahr 1522 das Dorf mit
dem ursprünglichen Namen Potz komplett verloren wegen „Jahrhundert-
Rheinhochwasser“, und musste das Dorf Neupotz neu gründen und nun, auch
wenn fast 500 Jahre vergangen waren, könnte der Rhein schon wieder bis zum
Dorfrand kommen.
Geplant waren mit einem Bau eines 9km langen Deichs in einen „Ungesteuerten
Bereich“, also ohne Sperrungen oder Schützen, über 4 Millionen m³ Wasser in
die Rheinauen einlaufen zu lassen und in einem Rückhalte-Polder mit rund 14
Millionen m³ in einen „Gesteuerten Bereich“, also mit Absperrungen und mit
Schützen, mit Ein- und Auslassbauwerk bis nach Neupotz und Jockgrim (die
Hochwasserrückhaltung Wörth/Jockgrim wurde zwischen November 2005 und
Mai 2013 erbaut) und mit über 20 Millionen m³ Wassermassen in den Hördter
Rheinauen ein sogenanntes 200-jähriges Hochwasser zu umgehen.
Nach langen und vielen Diskussionen und Debatten stimmten dann
Bürgerinitiative und Gemeinde zu, und das Bundesland Rheinland-Pfalz hat sich
bereit erklärt, auf seine Kosten ein von dem Dorf Neupotz bereitgestelltes
Gebäude umzubauen zu einem INFO-ZENTRUM HOCHWASSER
Link zu den wichtigsten Daten: Polder Wörth/Jockgrim – Wikipedia
Auch sehr interessant war der Bericht über den Fund des Barbarenschatzes. Im
Rahmen der Kiesförderung wurde in einem Baggersee bei Neupotz der mit über
1000 Objekten bislang größte römerzeitliche Metallfund gemacht, der mit der
Zustimmung der Besitzer, der Familie Kuhn, nun in Berlin ausgestellt wird, sowie
die Geschichte der ehemaligen Dachziegelwerke Ludowici und des ehemaligen
Ziegelwerks bei Sondernheim.
Nach etwa 1 ½ Stunden ging es dann weiter zum Rheindamm und zum
Treidlerweg direkt an den Rhein, auf dem wir eigentlich weiterwandern wollten
bis Leimersheim Rheinfähre. Aber hier hatte Vater Rhein uns eine gewaltigen
Strich durch unsere Wanderung gemacht. Innerhalb von nur einer Woche ist
dort der Rhein über 2 m hochgestiegen und ist in den „Ungesteuerten Bereich“
eingelaufen und der von dem Ingenieur Johann Gottfried Tulla* mit der
„Rheinbegradigung von 1822“ angelegte Treidlerweg war nicht passierbar, es
gab dort nur überflutetete Rheinauen.
*Tulla: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_Tulla
Also hieß es von dort zurück zum Rheindamm und auch etwa 1,5 km weiter
wandern als geplant zur Leimersheimer Rheinfähre, wo weitere 3 Teilnehmer
der TafelTour zu uns stießen und wir von dort mit 2 Autos, einem privaten PKW
und einem georderten Großraum-Taxi, zur Nachenfahrt nach Germersheim
fuhren.
Während der 2 -stündigen Fahrt wurde vieles erklärt über die Altrheinarme,
Prallhang und Gleithang-Ufer, über die Wuchsgeschwindigkeiten von Kiefern
und Pappeln, das einzigartige Rückzugsgebiet und das Altrhein-Biotop und über
Fischer, die in den Altrheinarmen Welse mit einer Länge bis 2,38m gefangen
hatten.
Zum Abschluss ging es dann in eine Ruderverein-Gaststätte, in die Rhenania in
Germersheim, wo wir eine großartige Fischsuppe und wunderbaren,
gebackenen Fisch aus dem Altrhein gegessen haben.
Einfach nur Wunderbar!





(C) Fotos Marlis Jonas

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