Anfang Juni zeigten uns Melanie und Markus Seeber stolz ihren Biohof am Hollerberg in Bolanden. Es war sehr interessant und vor allem schön zu sehen, wie engagiert und ideenreich die beiden ökologischen Landbau nach den Bioland-Richtlinien betreiben.

Melanie und Markus übernahmen erst im Januar 2024 ganz den vormals als Gerbachhof bekannten Betrieb im Rahmen einer außerfamiliären Hofübernahme. Markus war zunächst Projektmitarbeiter bei den Öko-Leitbetrieben Rheinland-Pfalz und schrieb seine Masterarbeit zum Thema Kichererbsen. Hier kam er in Kontakt mit dem Gerbachhof, wo 2015 erste Versuche zum Anbau von Kichererbsen in der Pfalz starteten. Zum Thema Kichererbsen aber unten mehr.

Den Klimawandel im Blick, setzen die beiden auf ein breites Spektrum, auf 72 Hektar bauen sie Dinkel, Hafer, Weizen und Hirse an, aber auch Süßlupinen, Kichererbsen und Trockenbohnen. Neben einer kleinen Schaf- und Ziegenherde gibt es zwei Mobilställe mit 450 Legehennen, neuerdings auch einen Masthähnchenstall. Sie verkaufen ihre Produkte im Selbstbedienungshofladen.


Alles ist durchdacht und als geschlossener Kreislauf konzipiert: Als Fruchtfolge pflanzen sie zum Beispiel erst Luzernegras, dann Winterweizen oder Triticale (eine Kreuzung aus Weizen und Roggen), dann Körnermais, dann zur Stickstofflieferung weiße Süßlupine, darauf Winterdinkel, anschließend Kichererbse und abschließend dann Hafer mit Luzernegras als Untersaat. Markus erzählt „Dieses Jahr freut sich das Feuchtliebende, das Trockenliebende weniger (die Kichererbsen, die Hirse). Diese Abwechslung macht auch viel mehr Spaß“, dabei grinst er verschmitzt. Man merkt beiden die Freude und Begeisterung an ihrer Arbeit deutlich an, Berufung statt Beruf, diese Floskel, wird hier spürbar. Und das bei einer 60-Stunden-Woche. „Die Sonntagnachmittage,“ Markus Seeber lächelt wieder „da lesen wir über Neues in der Landwirtschaft, diskutieren Ideen und schmieden Pläne“.
Melanie und Markus Seeber haben ein gutes Vertriebsnetzwerk aufgebaut, in dem alle Netzwerkpartner voneinander profitieren. Die Kornbauern (http://kornbauern.de/) dienen als Vermarktungsgemeinschaft für die Druschfrüchte; die vertrauensvolle Zusammenarbeit bietet sichere Preise. Lupinen und Dinkel werden Backmehl, Triticale dient als Futterware, Weizen ist Futter für die Hühner. In Zukunft wird Backweizen angebaut für die junge Bäckerin im Nachbarort, allerdings muss Backweizen sehr hohe Qualitätsanforderungen erfüllen. Das Stroh wird als Champost zu Champignonzüchtern gegeben, dieses kommt dann nach Verwendung zurück zum Düngen der Felder. Schafe und Ziegen werden für die Beweidung, aber auch Flurbereinigung gehalten. Melanie erzählt, sie erwarten Sonntag um 6 Uhr morgens den Schafscherer. Die Schafwolle verwenden sie entweder selber, teils als Dünger. Ein Teil geht aber auch an Kindergärten oder eine Behindertenwerkstatt, wo die Wolle verarbeitet, gesponnen und zu Schönem veredelt wird.





Zudem gibt es Hühner, Legehennen und mittlerweile Masthühner. Die Eier werden im Selbstbedienungshofladen verkauft. Die beiden haben aber auch eine Lösung für die Bruderhähne. In Kooperation mit einem Metzger werden diese zu Suppen, Saucen, Würstchen verarbeitet und im Glas im Hofladen verkauft.


Auf den Feldern erklärt uns Markus Seeber das Vorgehen im Detail: „Wir betreiben die Dreifelderwirtschaft. Kleegras und Luzerne über 2 Jahre, um den Boden zu verbessern, und zum Stickstoffbinden, 4x im Jahr Mähen, das hungert die Distel aus. Unser erster Schnitt geht an die Viehwirtschaft, der Kuhmist kommt zurück – das ist eine gute Kooperation. Der zweite Schnitt wird behalten, der dritte Schnitt geht wieder an Kooperationspartner, und so weiter.“.
Süßlupine – die Wurzelknöllchen, genauer die Knöllchenbakterien an den Wurzeln der Leguminosen, sammeln und binden Stickstoff.
„Das Kleegras, das macht den Ökolandbau aus, denn das erspart intensive Bodenbearbeitung“
Lein für Leinsamen. Der Rest könnte Flachs werden, wird aber untergepflügt für die Regenwürmer.
Auf unsere Frage, warum nicht mehr Landwirte auf Bio setzen, antworten er: „Als Argument wird immer zuerst der Verdienst angebracht. Würde man aber eine tatsächliche Leistungsverrechnung machen, Kosten und Nutzen der konventionellen Landwirtschaft und der ökologischen Landwirtschaft in Bezug auf ökologischen Schaden und Nutzen, Soziales und Regionalökonomie verrechnen, dann schneidet die ökologische Landwirtschaft gut ab.“ „Auch das Argument Welternährung wird gerne angebracht. Dabei ist der Ertrag bei Lupinen und ähnlichem gleich. Bei Getreide ist der Ertrag in der biologischen Landwirtschaft tatsächlich um die Hälfte weniger“
Nun sind wir aber auch gespannt auf die Kichererbsen – ehrlich gesagt hat keiner von uns eine konkrete Vorstellung, wie die Pflanze aussieht – aber gegessen haben wir sie alle schon…
Interessant, Markus erklärt: „Kichererbsen und Lupinen müssen unmittelbar vor der Aussaat geimpft werden, um Stickstoff fixieren zu können, denn da es eine neue Frucht für den Boden ist, gibt es die Knöllchenbakterien im Boden nicht, diese müssen angeimpft werden. Heimische Sorten wie Klee müssen nicht geimpft werden.“
Wie erwähnt, Markus hat seine Masterarbeit über Kichererbsen geschrieben, er kennt sich bestens aus: “Verschiedenen Sorten sind ganz anders, schmecken unterschiedlich und haben unterschiedliche Inhaltsstoffe“. Die Vermarktung erfolgt direkt im Hofladen, über die Öko-Marktgemeinschaft Saar-Pfalz-Hunsrück (https://www.bio-saar-pfalz-hunsrueck.de/) und verschiedene Öko-Großhändler.
Wer von Euch kennt schon dunkle Kichererbsen?
Zum Schluss zeigt uns Markus noch ihr neuestes Projekt: die Masthühner (Die Schafe sind ja bereits im Stall und bereiten sich auf die morgige Schur vor). „Masthühner, das ist ein erheblicher administrativer Aufwand.“ Wir waren überrascht, als uns Markus hier Details berichtet hat.
Mit vielen neuen Informationen im Kopf beendeten wir unseren Besuch, nicht ohne noch den Einkaufskorb mit Leckerem aus dem Hofladen zu füllen.
Den Abschluss fand die Besichtigung dann im Restaurant Bastenhaus mit netten und intensiven Gesprächen. Alles in allem ein toller und absolut empfehlenswerter Besuch.
Herzlichsten Dank noch einmal an Markus und Melanie für den intensiven Austausch und die viele Zeit, die Ihr Euch für uns und unsere Fragen genommen habt!
(C) Bilder und Artikel Karen Bieback und Ralf Honsberg

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